Zankapfel zweier Nationen Kulturhäppchen #15 - Die Zähmung des Rheins (Fortsetzung)

Die Staustufe Gerstheim aus der Luft fotografiert. Blick von Süden auf Schlinge. Rhein rechts mit drei Stauwehren gebremst, Kanal links mit Staustufe und Kraftwerk auf französischer Seite. Ganz rechts zu erkennen der Schwanauer Ortsteil Ottenheim.
Luftaufnahme der Staustufe Gerstheim bei Fertigstellung 1967
Quelle: IZW Medienarchiv, Bundesanstalt für Wasserbau Karlsruhe (CC 4.0)
„Gut leben ist am Rhein!“, dichtete schon Ludwig Eichrodt. Besonders im 19. Jahrhundert wurde der Fluss ein besonderer Sehnsuchtsort. In Frankreich wurde er als natürliche Grenze beworben. Auf deutscher Seite wurde er von den Romantikern gepriesen und von Nationalisten als „deutschester“ aller Flüsse verklärt.

Als 1871 mit dem Elsass auch der Rhein umjubelt endlich „deutsch“ wurde, machte dies die bereits thematisierte Begradigung des Flusses deutlich einfacher. Doch als Frankreich 1919 durch den Versailler Vertrag wieder zurück war, wurde der Rhein nun als französischer Fluss behandelt. Deutschland sollte zwar mit der Hälfte des Gewinns aus der Stromgewinnung beteiligt werden, doch Paris dachte gar nicht daran zu teilen. So begannen 1928 die Arbeiten an einem Seitenkanal, dem „Grand Canal d’Alsace“, der ganz über französisches Staatsgebiet verlief. Auf ihm sollte nicht nur der Schiffsverkehr zwischen Basel und Breisach abgewickelt werden. Auch die Stromerzeugung wurde hierhin verlegt und sollte dem Rhein buchstäblich das Wasser abgraben. Tullas „Restrhein“ blieb nur als wirtschaftlich unbrauchbare Grenze übrig. Dieser Kanal wurde nach Unterbrechungen durch den 2. Weltkrieg in den 1950er Jahren fertiggestellt.

Eigentlich sahen die französischen Pläne nun vor den Kanal bis nach Straßburg zu verlängern. Doch die deutsche Regierung unter Konrad Adenauer verhandelte mit Frankreich. Der Ausbau hätte zu Schäden durch die absehbare Grundwasserabsenkung geführt. Gegen die deutsche Zusage einer Mosel-Begradigung baute Frankreich nur vier kleinere Seitenkanäle, um so dem Rhein mehr Wasser lassen. Diese knapp sechs Kilometer langen Schlingen dienten ebenfalls zur Regulierung des Schiffsverkehrs und der Stromgewinnung. Sie konnten eine Grundwasserabsenkung zwar nicht völlig verhindern, jedoch zumindest abmildern. Heute kann man eine dieser Schlingen schnell von Lahr aus erreichen. Die 1967 errichtete Staustufe mit dem Wasserkraftwerk Gerstheim ist ein Zeugnis aus dieser Zeit.