Kulturhäppchen #16 - Wohin mit dem Müll?

Ende April machten in Lahr Berichte über „wilde“ Müllentsorgung die Runde, die dem Bau- und Gartenbetrieb Lahr (BGL) viel unnötige Arbeit brachte. Bereits vor hundert Jahren hatte die Stadt ihre Probleme mit „privater“ Müllbeseitigung.

„Wo sich Mißstände herausgebildet haben, liegt dies mehr auf Seiten des Publikums selbst.“, schrieb Odilo Fleig im April 1924 in seinem Bericht über „Die Hygienischen Verhältnisse der Stadt Lahr“ für das Hygienische Institut der Universität Freiburg. Der Autor kritisierte, dass Küchenabfälle und Kehricht in „Winkeln abgelagert“ würden, was sogar bis zu einem gewissen Maß toleriert wurde. Die Frage, warum Menschen ihren Unrat irgendwo hin kippen, ist also nicht neu. Dabei war es schon damals eigentlich sinnvoller die städtische Müllentsorgung zu nutzen. Diese kam zweimal in der Woche mit abgedeckten Wagen und holte den Müll ab, den die Bewohner in Eimern und anderen Behältern auf die Straße stellten.

Was allerdings mit den gesammelten Abfällen passierte, hatte nur wenig mit der heutigen Müllentsorgung zu tun. Der Unrat wurde auf ein vier Kilometer vor der Stadt gelegenes Feld gebracht und bis 1, 20 Meter Höhe angehäuft. Dieses Abfallfeld wurde mit Erde bedeckt und als Garten genutzt. Das dort angebaute Gemüse wurde der Volksküche zur Verfügung gestellt. Diese versorgte nicht nur Bedürftige. Sie stand auch der, durch die Inflation oft verarmten, Mittelschicht offen und ermöglichte ein günstiges Mittagessen.

Die Lahrer Industrie musste sich hingegen selbst um ihren Müll kümmern, hatte dafür aber kaum Regeln zu beachten. Fabriken verbrannten Abfälle oft in Heizungen oder zur Energieerzeugung. Die entstehende Schlacke aus den Öfen wurde dann auf eigenen Deponien abgelagert. Im damals städtischen Schlachthof fielen hingegen kaum Abfälle an, da die Tiere prinzipiell vollverwertet wurden. Was übrig blieb, entsorgte man mit dem Abwasser in die Schutter, was der Verfasser des Berichts kritisierte. Tiere, die nicht mehr zu verwerten oder krank waren, wurden in eigenen Gruben weit vor der Stadt vergraben.

Odilo Fleig sollte es später nochmals nach Lahr verschlagen. Nachdem er in Karlsruhe, Offenburg und Wolfach als Arzt tätig war, leitete er von 1946 bis 1959 das damals noch eigenständige Gesundheitsamt in Lahr.

Sollten Sie Bildmaterial über Lahrs frühe kommunale Müllentsorgung haben, dann kontaktieren Sie uns.

Was passiert mit unserem Müll heute?

In den 1920er Jahren mochte man sich kaum ausmalen, welche Karriere Müll noch machen würde. Seit 1973 ist der Ortenaukreis für die Abfallbeseitigung in Lahr zuständig. Wie das Video des Landkreises zeigt, versucht dessen Eigenbetrieb mit Innovationen den Müll nutzbar zu machen und die Umwelt zu schonen.