Soziale und ökologische Folgen Kulturhäppchen #17 - Die Zähmung des Rheins – Teil III

Zwei flache Flusskähne in einer urprünglichen Auenlandschaft mit viel Uferbewuchs.
Auf flachen Kähnen lassen sich die ursprünglichen Rheinauen bequem entdecken.
Quelle: Stadt Lahr
So gewaltige Bauvorhaben wie die Rheinbegradigung bringen nicht nur positive Auswirkungen für den Menschen mit sich, wie sie sich Tulla erträumte.

Die erste spürbare Folge war die Arbeitslosigkeit vieler Fischer und Goldwäscher. Die höhere Geschwindigkeit des Flusses führte zum Rückgang wandernder Fische, wie Lachsen oder Stören. Diese sind besonders auf langsam fließende Gewässer mit Kiesbänken zum Laichen angewiesen. Den Goldwäschern wurde die Arbeit buchstäblich vom Fluss hinweg geschwemmt. Hatten sich zuvor in den vielen Flusswindungen Goldpartikel an Kies- und Sandbänken gesammelt, waren diese nun abgegraben oder lagen unter Wasser. An den geraden Ufern sammelte sich kein gewinnbringendes Edelmetall mehr.

Erst nach den großen Veränderungen der Flusslandschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte ein langsames Umdenken ein. War das Grundwasser in Flussnähe bereits zu Tullas Zeiten erheblich gesunken, brachte der Bau des französischen Seitenkanals eine weitere Absenkung auf der deutschen Rheinseite mit sich. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken wurden noch vorhandene Altarme zum „Durchgehenden Altrheinzug“ verbunden, der sich heute von Breisach bis nach Kappel zieht.

Durch das Verschwinden der Flößerei und den Bedeutungsverlust der Binnenschifffahrt hat der Oberrhein als Verkehrsader heute eine geringere Bedeutung. Naherholung und Tourismus spielen eine immer wichtigere Rolle. Flusskreuzfahrten treten an die Stelle der Lastkähne. Neben der Grundwasserproblematik rückte so auch der  Natur- und Wasserschutz in den Mittelpunkt. In der direkten Lahrer Umgebung wurde bereits 1979 das Naturschutzgebiet Taubergießen gegründet. Die Vorarbeiten hierfür reichten bereits bis in die Zeit des alten Landkreises Lahr in den 1950er Jahren zurück. Mit den Thomasschollen folgte in der Gegend 1996 ein weiteres Naturschutzgebiet. Beide Naturschutzgebiete werden gerne zur Naherholung genutzt. Auch auf und neben dem Fluss tat sich einiges. Tierarten wie der Lachs konnten sich begrenzt wieder etablieren. Die Wasserqualität in den verbliebenen Auen und Altrheinarmen konnte mit Hilfe von Förderprogrammen verbessert werden. Mittlerweile gilt die gesamte Rheinniederung vor der Lahrer Haustür als besonders schützenswertes Landschaftsgebiet.